Armes Deutschland ohne Dackel

Alle reden vom Artensterben. Kaum wird´s auf unserem Heimatplaneten ein paar Grad wärmer und es fließt ein Jahrhundert lang ein bißchem mehr Beton, machen so putzige Tierchen wie der australische Magenbrüterfrosch, der asiatische Kahlkopfgeier oder der chinesische Flussdelfin den Schuh. Hauen einfach komplett ab in die ewigen Jagdgründe. Ohne sich umzudrehen, ohne ein Wort des Grußes. Das ist bitter.

Aber bei aller Trauer. Das sind doch Randgruppen.Tierische Mauerblümchen. Was bedeutet ihr Verschwinden schon im Vergleich zum Aussterben des Dackels! Gehen Sie mal in sich: Wann haben Sie das letzte Mal in die Augen eines deutschen Dachshundes geblickt? Der "Stern" hat es auf den Punkt gebracht: Der Dackel ist ein Globalisierungsverlierer. Der treueste Begleiter des Deutschen stirbt aus, weil er mit seinen kurzen Stutzelbeinen in keinen Geländewagen hineinkommt!

Dabei waren sie einst so selbstbewußt und eigensinnig - ob Waldi, Wastl oder Fine. Es gab auch ein paar richtig hundsgemeine Schurken darunter. Schauten drein, als könnten sie kein Wässerchen trüben, und zwickten einen im nächsten Moment dermaßen in die Wadl, dass alles zu spät war.

ALLES VERZIEHEN! Der Dackel war der Hundling unter den Hunden. Klein, aber zäh. Ein furchtloser Schwimmer und mutiger Jäger, treu und kämpferisch durch und durch. Und was haben wir anstelle des Dackels bekommen: Für die hundeliebende Familie muss es ein verschlafener Golden Retriever oder Labrador sein. Müde drein schauende Bettvorleger, für die der Gang zum Freßnapf den Gipfel des wilden Lebens darstellt. Selbst Pekinesen haben unserem Dackel den Rang abgelaufen. Fiepsende Zwergwuffis, die nur einen Vorteil haben: man kann sie jederzeit mit der Automatik-Leine zurück in die Gucci-Handtasche schleudern.

Ja, so wird´s sein: Erst wenn der letzte Dackel ins Gras gebissen hat, werden wir feststellen, dass Tapferkeit und Treue nie aus der Mode kommen. Was dann kommt? Ein Aufrechter hat es im "Welt-online" Forum so formuliert: "Verdammt.Deutschland ohne Dackel, dann hält mich hier wirklich nichts mehr"

(aus Teckel und Jagd) eine Abschrift aus der Passauer Neuen Presse

Im Dezember 2008 erreichte uns folgender Brief, nachdem wir einen Welpen nach Österreich verkauft hatten. Es handelt sich hierbei um ein Ehepaar, er Förster in Pension, sie Jägerin. Beide  führen seit vielen Jahren Jagdhunde. Zum Zeitpunkt, als sie einen Rüden bei uns erwarben, waren sie noch im Besitz eines älteren Rauhhaardackels namens "Carl". Der Welpe erhielt einen Doppelnamen (!), der einzige in unserer Zeit als Dackelzüchter. Den Erstnamen "Grip" und in memoriam an einen verstorbenen Vorgänger noch "Benedikt".

Nun viel Vergnügen beim Lesen:

 

Eine wunderbare Dackelgeschichte

Sehr geehrte gnädige Frau, lieber Herr Roos!

 

Nun inständig hoffe ich, dass dieser "Grip-Brief" bei Ihnen noch vor dem Hlg.Abend einlangt, weil sonst meine Frau ihre Vorwürfe bestätigt sieht, dass ich ein fauler Müßiggänger bin, der für Grip nichts tut. Daß ich fast 30 Weihnachtsbriefe schreiben musste, wird großzügig übersehen.

Ich fange bei unserer Abfahrt an, wo Sie sich, liebe Frau Roos, fast mit Tränen in den Augen von dem kleinen "ins Auslandreisenden" verabschiedet haben. Ich war so frei festzustellen, dass Österreich für die Bayern kein Ausland ist, was ich während meiner forstlichen Tätigkeit in Bad Tölz, Benediktbeuren, Vorderriß, Maxlrain, Stamham-KöschingerWald, sogar in dem schwäbischen Ottobeuren auch x-mal bestätigt fühlte. Ich habe im Auftrag HerzogsAlbrecht an einem waldbaulichen-wildbiologischem Projekt im KöschingerWald gearbeitet und so wurde ich 6 Jahre lang zu einer bestimmten Saujagd eingeladen, an der nur Forstleute im ganzen deutschsprachigen Raum teilnahmen.Am Vorabend war Seine königliche Hoheit der letzte, der den Speisesaal verließ, zuerst sind die Nordlichter verschwunden, dann die Hessener, auch die Schweizer wünschten ab Mitternacht ins Bett zu gehen. Als dann nur mehr die bayrischen und österreichischen Kollegen bei ihren Bierkrügerln ausharrten, setzte sich Herzog Albrecht zu uns:" Alle san´s weg, jetzt samma endlich unter uns". Das erzähle ich Ihnen nur deshalb, dass sie wissen: der kleine Grip ist in der bajuwarischen "Hoamat" geblieben, wenn auch diese Hälfte den Namen "Österreich" trägt.

In der ersten Autostunde hat Grip ein bisschen gewinselt, dann ist er in tiefen Schlaf versunken. Nicht einmal auf der kurvenreichen Bergstrecke ist er wach geworden, wo sonst die Hundebabys Brechreiz bekommen. Angekommen stieg er aus dem Auto frisch und unternehmungslustig und weil Carl mit ihm nicht spielen wollten, begann er sein neues Zuhause zu entdecken. Er bewunderte den immer plätschernden Hofbrunnen, alle Türen und Tore im Hof hat er inspiziert, nur vor der Stiege ist er lange stehengeblieben, die zu den ebenerdigen Zimmern hinunterführt. Es war damals für den zweifaustgroßen Dackel ein unüberwindbares Hindernis, aber das Objekt seiner Neugierde.

Unsere Aufenthaltsräume sind aber oben, wo man wieder nur über die das Dackelkindleben erschwerenden Stiegen hinkommt. Zuerst wurde Grip hinaufgetragen, dann wurde die Dackelleiter aufgestellt. (Anm. Auf einem beigelegten Foto sieht man ein Brett mit Streben), die ich für die Dackeline Astrid gemacht haben, die diese vor der Rückgratoperation und später als 16jhr Dame benützt hat. Oben, bevor er angefangen hat Carl zu sekkieren, hat er eine kleine Pfütze gamcht, dafür hatte er keinen bestimmten Platz, aber sein Häuferl setzte er streng konsequent immer unter den Verandatisch.

 

Während er Carl nachjagte, hörten wir erste Male sein Bellen. Seine Knabensopranstimme war ein heiseres Quietschen, auf die Dauer -vorsichtig gesagt- nicht angenehm. Falls er das Essen nicht gleich erhielt, aufgewärmt oder abgekühlt wurde, strampelte er ungeduldig und dann quietschte er. Schon am ersten Tag sah ich, dass Grip ein Alfa Hund ist. Er war imstande den Carl von seinem Teller wegzuekeln und dann auch Carls Portion wie ein Staubsauger wegzuputzen. Diese Unart hat mein Frau schnell abgestellt.    

Carl ist anfangs vor Gip geflüchtet, weil der kleine Kerl von seinen scharfen Spitzmauszähnen gern Gebrauch machte.Falls er Carl nicht beißen konnten, knabberte an Frauli, die dann ähnlich aufgequietscht hat als ihr Peiniger. Mich hat er nur einmal gezwickt, dann beutelte ich das kleine Kasperl wie der Wolfsrüde die übermütigen Wolfswelpen. Das war eine Lektion , die er nie vergaß. Schmeicheln, manchmal ein bisserl wild, tut er noch immer, aber sowohl bei meiner Frau, wie auch bei Carl, hat er sich das Zwicken abgewöhnt.

Als wir ihn heraufgetragen haben und er sein Lackerl und sein Häuferl ausgerechnet in der Wohnung erledigt hat, sah er, dass (Hunde)Betten zur Verfügung stehen, sogar zwei!. Als AlfaHund hat er selbstverständlich das größere gewählt, sich dort ausgestreckt und verwies den armen Carl, sich gefälligst in den kleineren Korb zu zwingen. Später, wenn er ein bisschen Wärme brauchte, legte er sich zu Carl und wie in der ersten kühlen Tagen der Heizkörper mollige Wärme ausstrahlte, ließ er seinen Bauch bestrahlen.

 

Als er die ersten Male in den Revierdienst eingeführt wurde, dh Frauli oder mich zu den Fütterungen zu begleiten, setzte er sich nach den ersten 50 Schritten und wir mußten ihn tragen. Täglich verlängerte er seine Laufstrecke, nach 3 Wochen war er sogar ungeduldigt, wenn wir zu langsam gingen. Schon anfangs merkten wir, dass seine lange Nase einen Supernase ist, wenn Katzenspuren unseren Weg kreuzten, wollte er unbedingt auf die Böschung hinauf oder hinunter. Bald quietschte er Spurlaut und der Dackelverein hat angeboten, die Spurlautprüfung von ihm abzunehmen. Zum Glück haben wir das Antrittsgesuch zurückgezogen, weil für einen so jungen undisziplinierten Hund, der auf Befehl nur sitzen kann und sich beim "KOMM HER" schon überlegt: "soll ich? oder soll ich lieber nicht?" eine Prüfung zu riskant wäre.

Schon am ersten Tag zeigt Grip seine Apportneigung. Bald sah sein Korb aus wie ein unordentliches Kinderzimmer, voll mit Holzstückchen, Schuhen, Pantoffeln, Zeitungen, Fressnäpfchen, sogar Küchenmesser und Quietschgegenstände. Ich kaufte ihm in den ersten Tagen, um seine Aufmerksamkeit in die harmloserer Richtung zu lenken, einen Quietschball, eine Quietschente und eine Quietschhendl Das war eine schöne Musik, wenn er alle nacheinander singen ließ!

Wenn wir morgens aufstehen, bringen uns beide Hunde Geschenke, ebenso wenn wir von irgendwo heimkommen. Carl übergibt uns seinen Gegenstand auf "AUS", aber der Kleine tanzt grunzend mit dem Pantoffel minutenlang, bevor er auf einem energischen "SITZ" sich setzt und auf "AAUUUUUSSSS" sein Mäulchen öffnet. Wir hoffen, dass dieser Apportierdrang auch bei Wild funktionieren wird.

 

Meinen  ersten Jagdhund habe ich mir als 15jhr Gymnasiast und Luftgewehr Jäger zugelegt. Es war eine Langhaardackeline. Der Grip ist der zehnte Dackel in meinem Leben und außerdem führte ich vier kl. Münsterländer (mit allen Prüfungen), als wir noch ein Neusiedlerrevier 30 Jahre lang gepachtet hatten. Also ich weiß wovon ich spreche, wenn ich sage, dass man einen so intelligenten, freundlichen, lebensfreudigen und "jagerischen" Hund wie den Grip selten findet. Er kennt unseren Gesichtsausdruck und Tonfall, er ist für jedes gute Wort dankbar, nie launenhaft oder frech aggressiv, und auf  ein Streicheln sagt sein Gesicht "Danke, dass ich bei Euch leben kann, ich liebe euch - und den Carl auch". Wenn wir etwas erlegen, wacht er vor der Kühlraumtür. Der Carl hat nach anfänglicher Zurückhaltung in Grip den besten Spielkameraden gefunden, der ihn durch das tägliche Herumballern verjüngt hat.

 

Wir alle, Carl inbegriffen, bedanken uns bei Ihnen für den Grip-Benedikt und wünschen Ihnen alles Gute und Schöne.

Dr. J.M.

 

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